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Premiere im Oktober 2005 an den Münchner Kammerspielen

Regie  Luk Perceval
Bühne  Katrin Brack
Kostüme  Ursula Renzenbrink
Dramaturgie  Marion Tiedtke
Musik Lothar Müller, Laurent Simonetti
Video  Philip Bussmann, Fausto Molina / Tourette TV
Licht  Mark Van Denesse

Als ordinär und pervers bezeichnete 1904 die Münchner Zensurbehörde die Tragödie der Lulu und belegte das Stück mit einem Aufführungsverbot, so sehr hatte Wedekind den Nerv seiner Zeit getroffen. Inspiriert von diesem entlarvenden Gesellschaftstableau, das Wedekind in seiner Lulu entfaltet, hat sich Luk Perceval mit dem Ensemble der Münchner Kammerspiele und den Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel dem Thema der Prostitution in unserer gegenwärtigen Situation gestellt. Die Geschichte von Lulu wird ganz neu erzählt:
Lulu arbeitet in einem Chatroom mit Webcam, sie führt aus, was die Freier auf dem Display von ihr verlangen. Hinter dieser virtuellen Wand aus Worten liegt ihre reale Lebenswelt, geprägt von der Sehnsucht, einmal auszubrechen und doch für immer gefangen zu sein. Das Leben ein Warteraum - Warten auf den Tod mit der Sehnsucht nach unbedingter Liebe... Lulu teilt ihre Welt mit den Frauen, die sich ebenfalls prostituieren und den Männern, die dafür das Geld zahlen oder das Geld kassieren. Diese Abhängigkeitsverhältnisse sind zugleich ein Symbol der grundsätzlichen Beziehungsmuster, die unsere spätbürgerliche Gesellschaft produziert: Herrschaftsstrukturen, Vereinzelung und sexuelle Neurosen, die Ohnmacht und Angst des Einzelnen kompensieren. So erzählen diese Menschen, während sie auf Liebe oder Sex warten, Geschichten vom eigenen Überleben - Zeugnisse der Alltäglichkeit. In der virtuellen Welt läuft unterdessen ein alptraumhaftes Drama ab, das die Autoren aufgrund ihrer Internetrecherche konstruiert haben - ein Drama, gespielt von anonymen Masken, hinter denen sich die heutigen Freier verstecken.